Testbericht: Fujifilm X-T2, erste Erfahrungen mit der neuen Mirrorless Kamera

Als Fotograf SBF bin ich seit März 2016 hauptsächlich mit Fujifilm Kameras und Objektiven unterwegs. In diesem Erfahrungsbericht soll es jedoch nicht um die technischen Spezifikationen der Fujifilm X-T2 und Fujifilm X-Pro2 Mirrorless Kameras gehen, diese kann man auf der Website von Fujifilm nachlesen.

Link: Technische Spezifikationen der beiden Flaggschiffe Fujifilm X-T2 und Fujifilm X-Pro2

Die neue Fujifilm X-T2 Mirrorless Kamera (Bild: fujifilm.com)

Vielmehr möchte ich hier von meinen persönlichen Erfahrungen berichten, wie sich die Kameras in der Praxis eines Berufsfotografen schlagen. Im echten Leben sozusagen. Kann man damit Aufträge für Kunden erledigen? Hier gleich vorneweg: Man kann. Die Gründe:

Objektive

Die Objektive von Fujifilm sind optisch hervorragend und stehen DSLR-Objektiven in nichts nach, soviel ist längst bekannt. Mittlerweile ist auch die Objektivpalette sehr breit, d.h. was es von Canon oder Nikon gibt, ist meist auch von Fujifilm erhältlich. Mit ein paar wenigen Ausnahmen wie Spezialobjektive für z.B. Interior- oder Architekturfotografie (Tilt-Shift-Objektive) oder Sport (Super-Telephoto-Objektive). Gut möglich, dass Fujifilm auch diese Lücken noch schliessen wird. Wer v.a. mit den Klassikern wie Standard- und Telezoom (24-70mm/2.8 und 70-200mm/2.8)  oder lichtstarken Festbrennweiten (z.B. 85mm/1.2 oder 24mm/1.4)  fotografiert, wird bei Fujifilm problemlos fündig.

Link: Übersicht Fujifilm Objektivpalette

Auch eine öffentlich publizierte Fujifilm Lens Roadmap gibt es, wo man sich über die kommenden Objektive informieren kann. [Update 22.02.2017] Die gerade aktualisierte Lens Roadmap enthält neben den Fujinon X Series Objektiven auch zwei MK Series Cinema Objektive zum Filmen:

Fujifilm Lens Roadmap. Stand Februar 2017 (Bild: fujifilm.com)
Fujifilm Lens Roadmap. Stand Februar 2017 (Bild: fujifilm.com)

Oft wird von mirrorless Fotografen hervorgehoben, dass die Ausrüstung viel leichter sei als bei einer DSLR. Dies stimmt zwar, doch muss man hier etwas differenzieren. Kauft man hochlichtstarke Zooms mit einer Lichtstärke von 1:2.8 dann haben diese ebenfalls ein schönes Gewicht. Eine bestimmte Sensorgrösse (bei Fujifilm APS-C) bedingt einen bestimmten Objektivdurchmesser für hohe Lichtstärke. Und Glas hat nun mal Gewicht, daran kann auch mirrorless nichts ändern. Beim 24-70mm/2.8 habe ich 150 g Unterschied von Fujifilm zu Canon gewogen und nur ca. 1.5 cm kürzer. Nicht so viel wie erwartet vielleicht, aber zusammen mit der Gewichtsersparnis der Kamera kommt dann doch ein spürbarer Unterschied zu einer DSLR-Ausrüstung zusammen. Reisen ins Ausland sind damit nach meinen ersten Erfahrungen (Amsterdam, London) wesentlich entspannter als früher mit der DSLR-Ausrüstung. Der Fotokoffer ist nur noch halb so gross wie früher (Think Tank Airport Navigator statt Think Tank Airport International) und damit deutlich leichter. Als ich früher noch mit einer DSLR-Ausrüstung gereist bin, war der Fotokoffer als Handgepäck 15-18 kg schwer (8 kg erlaubt). Mit der Fujifilm-Ausrüstung bin ich nun mit ca. 10-11 kg unterwegs. Was dazu führt, dass man am Flughafen kaum noch “behelligt” wird.

Klein (60 mm Durchmesser), leicht (170 g) und wetterfest: Fujinon XF35mmF2 R WR (Bild: fujifilm.com)
Klein (60 mm Durchmesser), leicht (170 g) und wetterfest: Fujinon XF35mmF2 R WR (Bild: fujifilm.com)

Wenn man auf die neuen “Spezialobjektive” von Fujifilm mit etwas geringerer Lichtstärke von 1:2.0 setzt (XF35mmF2 und XF23mmF2, also 35mm bzw. 50mm Kleinbild-äquivalent), dann wird der Gewichtsunterschied deutlich mehr. Und dies ohne dass man dabei Abstriche in Bildqualität oder Verarbeitung machen muss. Man büsst einzig etwas Lichtstärke und damit ein wenig Bokeh ein. Für meine Arbeit ist dies jedoch weniger entscheidend als das Gewicht.

Sensor

Im Gegensatz zu den meisten anderen Kamera-Herstellern verfolgt Fujifilm hier eine etwas andere Strategie. Nicht jedes Kameramodell kommt mit einem eigenen und immer anderen Sensor daher. Grundsätzlich verwenden alle Fujifilm System-Kameras denselben Sensor. Wobei Fujifilm momentan noch Kameras mit dem “alten” 16 Megapixel Sensor, als auch mit dem neuen 24 Megapixel Sensor im Programm hat. Man entscheidet sich bei Fujifilm als Fotograf beim Kauf also nicht für ein bestimmte Auflösung oder Bildqualität (Sensor), sondern für eine bestimmte Kamera. Welche sich durch Preis, Features, Formfaktor und/oder “Professionalität” (Staub- und Spritzwasserschutz, zwei Kartenslots u.a.) auszeichnen.

Der 24 Megapixel X-Trans III Sensor im APS-C Format, ohne Antialiasing-Filter (Bild: fujifilm.ch)
Der 24 Megapixel X-Trans III Sensor im APS-C Format, ohne Antialiasing-Filter (Bild: fujifilm.ch)

Für meine Arbeit interessiert mich v.a. die High ISO Performance des Sensors, also wie gut die Bildqualität bei sehr wenig Licht ist. Kommend von der Canon 5D Mark III war ich daran gewöhnt, dass ich je nach Auftrag auch mal mit ISO 10’000 oder in Notfällen sogar ISO 20’000 fotografieren muss, weil z.B. der Kunde den Einsatz eines Blitzes untersagte. Der frühere 16 Megapixel Sensor von Fujifilm konnte da leider nicht ganz mithalten und hat mir deshalb einen früheren Umstieg von Canon auf Fujifilm verunmöglicht. Mit dem neuen 24 Megapixel Sensor ist das nun aber kein Problem mehr und ich fotografiere ohne zu zögern auch mal mit ISO 12’800. Etwas Bildrauschen hat mich noch nie gestört. Lieber ein Bild, das etwas rauscht, als gar kein Bild, ist seit je meine Devise.

Wie gesagt verwenden also die gerade lancierte Fujifilm X-T2 und die im Frühling auf den Markt gekommene Fujifilm X-Pro2 denselben Sensor. Es ist also auch dieselbe Bildqualität zu erwarten. Weshalb entscheidet man sich nun für die eine oder andere Kamera?

Testbericht Fujifilm X-T2 Erfahrungen eines Berufsfotografen
Fujifilm X-T2 mit XF35mmF2 (50mm Kleinbild-äquivalent). ISO 200, 1/1700s, f/5.6. Acros+R Film Simulation (JPEG)

Formfaktor und Bedienung

Die Entscheidung zwischen der Fujifilm X-T2 und Fujifilm X-Pro2 wird man hauptsächlich aufgrund des Formfaktors oder des Handlings treffen. Welche Kamera “mag” ich mehr? Lieber DSLR-Style oder lieber Sucherkamera-Style? Welche Kamera liegt besser in der Hand? Welches Tastenlayout funktioniert besser für meine Art zu fotografieren?

Das analoge Bedienkonzept prägt auch das Erscheinungsbild der Fujifilm X-T2 (Bild: fujifilm.ch)
Das analoge Bedienkonzept prägt auch das Erscheinungsbild der Fujifilm X-T2 (Bild: fujifilm.ch)

Grösse und Gewicht (ca. 500 g) der beiden Kameras sind praktisch identisch. Die X-Pro2 wirkt leicht wertiger und besser verarbeitet als die Fujifilm X-T2 und auch die Tasten fühlen sich etwas besser an (grössere Tasten und deutlicherer Druckpunkt). Jedoch liegen die Tasten an der Fujifilm X-T2 für meine Hände und meine Arbeitsweise besser platziert als an der X-Pro2. So lässt sich z.B. das von Profi-Fotografen oft verwendete Back Button Focus Konzept (die Trennung der Scharfeinstellung/des Autofokus von der Belichtungsmessung/dem Auslöser) mit der X-Pro2 weniger optimal realisieren als mit der Fujifilm X-T2. Ein für mich sehr wichtiges Kriterium.

Ebenfalls bevorzuge ich das ISO-Einstellrad der Fujifilm X-T2 gegenüber dem Retro-Einstellrad der X-Pro2. In der Praxis hat sich letzteres als langsam und “hackelig” erwiesen.

Links das ISO-Einstellrad mit zentralem Lock-Knopf (Bild: fujifilm.ch)
Links das ISO-Einstellrad mit zentralem Lock-Knopf (Bild: fujifilm.ch)

Daneben unterscheidet die beiden Kameras natürlich auch das Sucherkonzept. Die X-Pro2 kommt mit einem Hybrid-Sucher daher, verfügt über einen Optischen Sucher (OVF) und einen Elektronischen Sucher (EVF). Die Fujifilm X-T2 dagegen hat nur einen Elektronischen Sucher. Da ich den Optischen Sucher der X-Pro2 nie benutzt habe, spielt für mich dieser Unterschied keine Rolle. Das Sucherokular der Fujifilm X-T2 ist auch etwas besser gegen seitlichen Lichteinfall geschützt als bei der X-Pro2. Mit dem für die X-T2 optional erhältlichen Long Eye Cup EC-XT L lässt sich dieser Effekt sogar noch verbessern.

Das Standard-Sucherokular der Fujifilm X-T2 (Bild: fujifilm.ch)
Sucherokular mit Standard-Augenmuschel der Fujifilm X-T2 (Bild: fujifilm.ch)

Für meine Arbeit ist das Schwenkdisplay der Fujifilm X-T2 nicht unverzichtbar. Wer darauf angewiesen ist, wird die X-T2 sicherlich der X-Pro2 vorziehen. Elegant gelöst ist der dritte Schwenkwinkel für Hochformat-Aufnahmen. Allerdings funktioniert dieser nur in eine Richtung.

Das neue, in drei Richtungen schwenkbare Display der Fujifilm X-T2 (Bild: fujifilm.com)
Das in drei Richtungen schwenkbare Display der Fujifilm X-T2 (Bild: fujifilm.com)

Die Fujifilm X-T2 liegt auch ohne zusätzlichen Hand- oder Batteriegriff sehr gut in der Hand. In der Tat ist es die erste Kamera von Fujifilm, welche ich ohne zusätzlichen Handgriff verwende. Sowohl bei der Fujifilm X100T, als auch bei der X-Pro2 hatte ich für besseren “grip” immer den (optionalen) Handgriff montiert. Hier scheint mir dies nicht nötig zu sein.

Eine weitere Verbesserung hat Fujifilm bei den Dual SD-Card Slots realisiert. Diese sind bei der Fujifilm X-T2 nun leicht gegeneinander verschoben, so dass die Karten besser aus der Kamera entnommen werden können als bei der X-Pro2. Im Gegensatz zur X-Pro2 unterstützen bei der X-T2 beide Slots den schnellen UHS-II Standard. Die Dual Card Slots unterstreichen damit den professionellen Anspruch der Fujifilm X-T2 und X-Pro2 Kameras. Genauso wie das Weather Sealing, die Abdichtung gegen Spritzwasser und Staub. Die Objektive mit dem Zusatz ‘WR’ (weather resistant) sind ebenfalls abgedichtet. Diese professionellen Merkmale sind bisher v.a. aus der DSLR-Welt bekannt und halten nun auch in Mirrorless-Systemen Einzug.

Die Dual SD-Card Slots (UHS-II) mit verbesserter Anordnung (Bild: fujifilm.com)
Die Dual SD-Card Slots (UHS-II) mit verbesserter Anordnung (Bild: fujifilm.com)

Beide Kameras verwenden dieselben Akkus (NP-W126 bzw. NP-W126S) und der Batterieverbrauch ist nach meiner bisherigen Erfahrung ebenfalls vergleichbar. Es gilt also weiterhin: Immer genügend Ersatzakkus dabei haben! Der elektronische Sucher einer Mirrorless Kamera benötigt einfach viel mehr Saft als eine DSLR mit optischem Sucher. Man gewöhnt sich jedoch schnell daran und empfindet dies nicht als Nachteil, der einen bei der Arbeit beeinträchtigt.

Der neue Fujifilm Akku NP-W126S. Gleiche Kapazität, aber bessere Wärmeableitung bei 4K Videoaufnahmen.
Der neue Fujifilm Akku NP-W126S. Gleiche Kapazität, aber bessere Wärmeableitung bei 4K Videoaufnahmen.

Autofokus

Immer wieder wird nach der Leistung des Autofokus gefragt. Kurz: Für meine Anwendungen reicht er absolut. Zugegeben, ich bin nicht Tier- oder Sportfotograf. Diese haben mit gutem Grund höhere Anforderungen als ich. Man kann aber mit Sicherheit sagen, dass Fujifilm eine riesige Entwicklung mit dem Autofokus hinter sich hat in den letzten Jahren. Mittlerweile ist der Autofokus auf einem sehr hohen Niveau angelangt. Aber die Entwicklung im Bereich DSLR ist in dieser Zeit natürlich auch nicht stehen geblieben. Ich denke, dass es auch in den nächsten Jahren einen – immer kleiner werdenden – Leistungsunterschied des Autofokus von mirrorless zu DSLR geben wird.

Wenn ich mich an den Autofokus der Canon EOS 5D oder auch der Canon EOS 5D Mark II zurückerinnere (9 AF Points), dann war der alles andere als perfekt. Trotzdem haben wir damit fotografieren und hervorragende Bilder schaffen können. Man hat sich damit arrangiert und gelernt, wie man damit arbeiten kann. Nach meiner Erfahrung funktioniert der Autofokus der Fujifilm X-Pro2 bei sehr wenig Licht gefühlt sogar besser als der Autofokus der Canon EOS 5D Mark III. Und der Autofokus der X-T2 soll nochmals deutlich verbessert worden sein gegenüber der X-Pro2 (Anmerkung: Die X-Pro2 wird den neuen AF-Algorithmus der X-T2 per Firmware-Update nachgerüstet bekommen).

[Update 22.02.2017] In der Zwischenzeit hatte ich Gelegenheit den Autofokus an einem internationalen Schlittenhunderennen in Kandersteg, Schweiz, zu testen. Mit dem Fujifilm Vertical Power Booster Grip VPB-XT2 ist die Kamera eine richtige Sportskanone, mit 11 Bildern pro Sekunde (14 Bilder pro Sekunde bei Verwendung des Elektronischen Verschlusses) und guter Fokusnachführung.

Schlittenhunderennen Kandersteg 2017 Photo Musher
Fujifilm X-T2 mit XF50-140mmF2.8 (85-210mm Kleinbild-äquivalent). ISO 200, 1/6400s, f/2.8. Provia Film Simulation. Für das Originalbild in voller Auflösung auf das Bild klicken (SOOC JPEG inkl. EXIF-Daten).

Tethering

Es gibt ein paar wenige Gründe weshalb ich (zur Zeit) weiterhin eine DSLR (Canon EOS 5DS) in meinem Arsenal behalten habe. Abgesehen von der immensen Auflösung von 50 Megapixeln ist die Möglichkeit des Tethering je nach Aufgabe sehr praktisch oder sogar unbedingt nötig (z.B. beim Fotografieren mit Layoutvorlagen). Bei der Fujifilm X-T2 soll dies demnächst per Firmware-Update nachgerüstet werden. Auch wireless tethering und live view sollen dann möglich werden. Wie stabil dies funktionieren wird, muss sich noch zeigen. Die Fujifilm X-Pro2 dagegen wird wohl nie tethern können. Leider.

[Update 01.12.2016] Mit der neuen Fujifilm X-T2 Firmware v1.10 wurde die Fujifilm X-T2 für Lightroom-Tethering fit gemacht (siehe mein ausführlicher Blogpost hier). Die Kamera erhielt mit diesem Update den dazu notwendigen ‘USB Auto’ Modus. Ein paar Tage später hat schliesslich auch Adobe das FUJIFILM Tether Shooting Plug-in PRO (Mac) für Adobe Lightroom veröffentlicht. Alle Details dazu und einen Kurztest inklusive Installation und Konfiguration des Tether PRO Plugins für die Fujifilm X-T2 findet man in diesem Artikel.

Auch Tilt-Shift-Objektive sind von Fujifilm momentan keine erhältlich und der gerade für Architektur- und Interior-Fotografie sehr beliebte CamRanger ist nicht kompatibel mit Fujifilm-Kameras. Ich hoffe, dass diese Lücken bald geschlossen werden und ich dann ganz auf meine DSLR verzichten kann.

Abgesehen davon konnte ich bisher alle Aufträge problemlos mit Fujifilm erledigen. Im einen oder anderen Anwendungsfall kann man davon ausgehen, dass man mit einer DSLR schneller und effizienter “vorwärts” kommt. Denn die analogen Knöpfe, das “Markenzeichen” von Fujifilm Kameras, können dazu führen, dass die Kamera etwas langsamer zu bedienen ist. Auch ist eine Speicherung der kompletten Aufnahmeeinstellungen wie Blende, Verschlusszeit, ISO und Weissabgleich nicht möglich, so wie das bei der Canon 5D Mark III auf der Position C1, C2 und C3 des linken Drehknopfes möglich ist.

Blitzsystem

Darüber findet man haufenweise Tipps und Tricks im Internet. Fujifilm kommt demnächst mit einem neuen eigenen Blitz auf den Markt, dem Fujifilm EF-X500. Sieht toll aus, hat nur einen kleinen Haken: Er ist ‘optically triggered’. Was für mich ein deal breaker ist. Über Jahrzehnte haben wir uns bei der Auslösung von Systemblitzgeräten mit Sichtverbindung rumschlagen müssen. 2016 ist Funkauslösung (Radio) der allgemeine Standard. Need to have, nicht nice to have.

[Update 19.09.2016] Der Release des Fujifilm EF-X500 wurde früher bereits von Mai 2016 auf Sommer 2016 und nun auf November 2016 verschoben.

[Update 02.12.2016] Mittlerweile ist der Fujifilm EF-X500 Blitz auf dem Markt erhältlich.

Das neue Systemblitzgerät EF-X500 mit Leitzahl 50 und 24-105mm Zoom (Bild: fujifilm.ch)
Das neue Systemblitzgerät EF-X500 mit Leitzahl 50 und 24-105mm Zoom (Bild: fujifilm.ch)

Wenn man bereits drei Systemblitzgeräte im Arsenal hat (Canon), ist es nicht ganz günstig diese alle zu ersetzen. Ich habe deshalb ausgetestet, was mit Fujifilm (Kameras) und Canon (Blitze) möglich ist. Das Canon Speedlite 600EX-RT funktioniert tatsächlich auch ohne irgendwelche Hardware-Modifikationen wunderbar im Blitzschuh der Fujifilm X-Pro2. Ich hatte noch keine Probleme damit, auch das befürchtete Überhitzen der Kamera ist nie aufgetreten. Dass der Blitz dabei nur im Manual Mode funktioniert, ist für mich kein Nachteil. Ich blitze schon seit Jahren nicht mehr mit TTL.

Will man Off-Camera Flash mit der Fujifilm X-T2 oder X-Pro2 verwenden, dann geht dies mit dem Yongnuo YN-E3-RT als Sender auf der Kamera. Den Yongnuo muss man dazu in den sog. ‘Legacy Mode’ schalten. Auch hier kein TTL, nur Manual. Der Yongnuo ist sicher nicht so robust und zuverlässig wie sein Vorbild, der Canon ST-E3-RT. Aber dafür ist er so günstig, dass man sich zur Absicherung einfach zwei davon kauft. Seine Firmware wird dazu regelmässig aktualisiert. Allerdings sollte man dazu Freunde mit einem Windows-Computer haben (Danke, Daniel Däppen!). Eine Firmware-Aktualisierungs-Software für Mac sucht man leider vergebens.

Mit der Fujifilm X-T2 habe ich noch zu wenig Langzeiterfahrungen mit Blitzen, erste Tests zeigen jedoch, dass alles offenbar genauso gut funktioniert wie mit der Fujifilm X-Pro2.

Gerüchten zufolge will Profoto nächstes Jahr (2017) neben Canon und Nikon auch Fujifilm Kameras mit ihren beliebten mobilen Studioblitzen B1 und B2 unterstützen. Falls dies tatsächlich wahr wird, wäre auch die Lücke im Bereich Studioblitz und TTL bzw. High Speed Sync (HSS) geschlossen.

[Update 19.09.2016] An der Photokina 2016 hat der bekannte deutsche Blitz-Hersteller Metz einen Blitz vorgestellt, der in verschiedenen Versionen für diverse Kamerahersteller auf den Markt kommt. So unterstützt der neue Metz mecablitz M400 auch Fujifilm mit TTL und Kurzzeit-Synchronisation (HSS bzw. FP). Allerdings ist die Fujifilm-Version des M400 das einzige Modell, welches keine Remote-Auslösung bietet. Ob dies später durch Fujifilm oder Metz per Firmware-Update nachgerüstet wird, ist nicht bekannt. [Update 20.09.2016] Laut Auskunft des technischen Kundendienstes von Metz soll die Remote-Auslösung für Fujifilm später per Firmware-Update nachgerüstet werden. Zum jetzigen Zeitpunkt sei dies nicht möglich, da Fujifilm bislang über keine Geräte (Kameras oder Blitze) für ein drahtloses Remote-System verfüge. Wir werden also auf den Release des Fujifilm EF-X500 warten müssen, bis auch der Metz mecablitz M400 mit Remote-Auslösung nachgerüstet werden kann.

[Update 24.09.2016] Laut Auskunft Metz benötigt der M400 zur Remote-Auslösung Sichtverbindung und die Distanz soll “genügend in Innenräumen” sein. Der M400 ist also genau gleich wie der Fujifilm EF-X500 nur “optically triggered” und hat kein Funk (Radio, wifi, WLAN o.a.) eingebaut. Somit bleibt für mich weiterhin die Kombination von Canon 600EX-RT Blitzen und Yongnuo YN-E3-RT Sender die beste Möglichkeit mit Fujifilm off-camera zu blitzen, weil dieses Setup auf Funk basiert und somit keine Sichtverbindung benötigt.

Sonstiges

Heute ist mir in Adobe Lightroom CC aufgefallen, dass Lightroom die Seriennummer der Fujifilm X-T2 auslesen kann, was bei der X-Pro2 leider nicht möglich ist. Ich weiss nicht, ob dies ein Fujifilm oder ein Adobe Problem ist, aber es ist jedenfalls für meinen Workflow eine willkommene Erleichterung. Denn wenn man mit zwei identischen Kameras fotografiert, kann man beim Umbenennen in Lightroom die Seriennummer in den Dateinamen einfügen und hat dadurch die Garantie, dass es bei den Dateinamen der beiden Kameras keine Duplikate geben kann. Zu begrüssen wäre, wenn man im in der Kamera personalisierbaren Dateinamen neben Buchstaben und Zahlen auch _ und – verwenden könnte.

Fazit

Fujifilm hat mit der neuen Fujifilm X-T2 einen weiteren grossen Sprung nach vorne gemacht. Verbesserungspotenzial gibt es immer. Aber auch Canon hat drei Versionen ihrer hochgelobten EOS 5D gebraucht bis die Kamera insgesamt auf einem sehr guten Level angekommen war. In den letzten Jahren ist Fujifilm schon sehr weit gekommen. Ich freue mich auf die weiteren Entwicklungen in der Zukunft.

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Daniel Zihlmann Photographer SwitzerlandDaniel Zihlmann ist offizieller Fujifilm X-Photographer und arbeitet als Fotograf in der Schweiz, Europa und weltweit in den Bereichen Documentary & Portrait Photography. Website: https://www.danielzihlmann.com/

DISCLAIMER: Seit 2015 bin ich offizieller Fuji X-Photographer, also Marken-Botschafter von Fujifilm. Dieser Blogpost stellt jedoch meine persönliche Meinung dar und ist nicht von Fujifilm gesponsert. Entgegen einer weitverbreiteten Meinung muss auch ich mein Equipment kaufen und dafür bezahlen :-)

29 thoughts on “Testbericht: Fujifilm X-T2, erste Erfahrungen mit der neuen Mirrorless Kamera

  • Eli

    Hallo,

    ich nutze seit neustem auch die Fuji X-T2 und habe mir den EF-X20 dazu gekauft. Um nun leider festzustellen, dass die beiden wohl nicht kompatibel sind…. hast du damit Erfahrung? Ich verzweifle, weil ich am anderen Ende der Welt sitze und wohl den falschen Blitz eingepackt / gekauft habe.

    Liebe Grüße

    Eli

    • Hallo Eli

      Danke für Deinen Kommentar auf meinem Blog.

      Persönlich besitze ich den EF-X20 nicht und habe deshalb keine Erfahrungen damit. Was genau funktioniert bei Dir nicht?

      Abgesehen von der Stärke (Leitzahl) sehe ich im EF-X20 keinen grossen Vorteil gegenüber dem kleinen Aufklapp-Blitz, der bei der X-T2 im Zubehör dabei ist (EF-X8). Dieser kleine Zubehörblitz reicht mir für Notfälle vollkommen. Dadurch, dass er den Strom von der Kamera bezieht und keine eigenen Batterien benötigt, ist er super klein und hat in jeder Hosentasche Platz. Da beide Blitze nur direkt blitzen können, dürfte der EF-X20 nicht wirklich bessere Bilder machen. Die etwas grössere Blitzfläche wird sich nach meiner Einschätzung nur gering auf die Lichtqualität auswirken. Die geringe Leitzahl des EF-X8 lässt sich mit einer Erhöhung der ISO kompensieren. Beim Sensor der X-T2 ist das kein Problem.

      Persönlich nutze ich kein TTL, sondern blitze immer manuell. Deshalb kann ich auch einen beliebigen Blitz auf der Fuji verwenden. In meinem Fall ist das ein alter Nikon SB-80DX oder der Canon 600EX-RT. Hauptsache der Blitz lässt sich in alle Richtungen drehen und schwenken. Denn ich blitze immer indirekt, was eine deutlich verbesserte Lichtqualität ergibt.

      Ich hoffe dies hat Dir etwas weitergeholfen. An welchem Ende der Welt sitzt Du gerade?

      Liebe Grüsse
      Daniel

  • Benedict

    Hallo, Gratulation zum interessanten Bericht zur X-T2. Ich stehe kurz vor dem Kauf einer X-T2, möchte aber erst einmal mit meinen vorhandenen Leica R 28er, 50er und 90er per Adapter fotografieren. Welche Brennweiten ergeben sich dann bei der R-T2 ? Alternative wäre, die R-Optiken zu verkaufen und generell auf Fuji-Objektive umsteigen. Wäre für einen Rat dankbar!

    • Hallo Benedict, Danke für Dein Lob. Es freut mich, dass Dir der Beitrag weitergeholfen hat. Der X-Trans III Sensor von Fujifilm ist ein APS-C Sensor. Du musst die Brennweiten mit dem Faktor 1.5 multiplizieren. Persönlich habe ich keine Erfahrung mit Fremdobjektiven an Fuji-Kameras. Generell kann man dazu sagen, dass Dank dem elektronischen Sucher (EVF) und dem ‘Focus Peeking’ Feature manuell fokussieren recht unkompliziert und präzise funktioniert (im Gegensatz zu einer DSLR). Meist kostet aber der Adapter auch einiges Geld. Ausserdem sind die Objektive von Fujifilm wirklich toll und auf den Autofokus möchte ich nicht verzichten. Wenn Du die Leicas verkaufst, könntest Du sicher das eine oder andere Fuji-Objektiv damit finanzieren. Vielleicht möchtest Du es zum Einstieg in die Fuji-Welt mal mit einem Kit-Objektiv probieren. Das FUJINON XF18-55mmF2.8-4 R LM OIS (27-83mm KB-äquivalent) ist leicht, kompakt und soll sehr scharf sein. Die neuen 23mm/2.0 (35mm) oder 35mm/2.0 (50mm) sind auch sehr beliebt und recht preiswert. Wenn Dir das System dann passt, kannst Du immer noch Deine Leicas verkaufen und in weitere Fuji-Objektive investieren.

      Ich wünsche Dir viel Spass und tolle Bilder mit der X-T2!

      Liebe Grüsse
      Daniel

  • Benedict

    Hallo Daniel, Dank für deine Sichtweise bezüglich der Objektive und Info über den Verlängerungsfaktor. Ich werde mit einem meiner Objektive zu meinem Fachhändler gehen und ausprobieren. Adapterpreis + manuelle Fokussierung geben mir hoffentlich eine gute Entscheidungshilfe. Bin gespannt.
    Viele Grüße
    Benedikt

  • Wilfried Breuss

    Hallo Daniel! Deine Erfahrungen mit der XT-2 sind für mich höchst interessant, herzlichen Dank! Bezüglich meiner Wahl einer neuen Kamera bin ich nun leider noch unschlüssiger: ich suche eine Ausrüstung v.a. für Outdoor-, Landschafts- und Tierfotografie. Eigentlich war ich schon ziemlich auf die Nikon D500 fixiert, bis ich auf die XT-2 aufmerksam geworden und deinen Bericht gelesen habe.
    Bevorzugtes Einsatzgebiet: hoher Norden und mehrtägige Zelttouren.
    Welche der beiden Kameras würdest du empfehlen?
    Herzlichen Dank und liebe Grüße,
    Wilfried

    • Hallo Wilfried,

      Danke für Deinen Kommentar und Dein Interesse an meinem Blog. Das ist eine schwierig zu beantwortende Frage. Da ich selber nie mit Nikon gearbeitet habe und auch die D500 nicht näher kenne, wäre es unseriös von mir Dir einfach eine Kamera als “besser” zu empfehlen. Ich weiss auch nicht, ob Du bisher schon DSLR-Fotograf warst oder ob beide Systeme (DSLR bzw. Mirrorless) für Dich quasi “Neuland” sind. Der Umstieg von einer DSLR zu einer Fuji X-T2 kann doch etwas grösser sein, als man ursprünglich meint, auch wenn beide Kameras vom Formfaktor her erstmal sehr ähnlich erscheinen. Auch das analoge Bedienkonzept einer X-T2 (Knöpfe und Räder für fast alles) liegt einem entweder oder man mag es weniger. Dabei kann es auch einen Unterschied machen, ob Du v.a. im Automatik-Modus (Blendenvorwahl/Zeitenvorwahl) fotografierst oder hauptsächlich manuell belichtest. Das alles ist sehr subjektiv und hat wenig mit den technischen Datenblättern zu tun.

      Als ersten Schritt würde ich sicher mal beide Kameras in die Hand nehmen und schauen wie sich das anfühlt für Dich. Noch besser wäre es eine Kamera für einen oder mehrere Tag zu mieten, dann weisst Du schon einiges mehr. Danach könntest Du zum Einstieg die Kamera mit einem (Kit-) Objektiv kaufen und später die Objektivpalette ausbauen, wenn Du sicher bist, dass Du auf das (für Dich) richtige System gesetzt hast.

      Was das Technische betrifft: Ich bin mir sicher, dass beides hervorragende Kameras sind. Bei Deinem Einsatzgebiet dürfte Grösse und Gewicht eine Rolle spielen. Recherchiere doch mal in den technischen Datenblättern und rechne alles zusammen, dann weisst Du wieviel der Unterschied tatsächlich ausmacht. Überlege Dir welche Brennweitenbereiche Du benötigst und recherchiere die Objektivpaletten der beiden Hersteller. Sicherlich bieten sowohl Nikon, als auch Fuji alles was Dein Herz begehrt. Der Preis wird oft auch eine Rolle spielen, wie gross ist Dein Budget? Letztlich wirst Du die verschiedenen Fragen gegeneinander abwägen müssen (pro/kontra) und einen Entscheid treffen.

      Aus meiner Erfahrung als Berufsfotograf kann ich Dir sagen, dass es die “perfekte Kamera” nicht gibt. Jede Kamera, jedes System hat irgendwo seine Vorteile und seine Nachteile. Diese muss man kennen und lernen damit umzugehen. Dann wird man trotzdem perfekte Bilder damit machen :-)

      Ich hoffe ich konnte Dir mit diesen Tipps etwas weiterhelfen.

      Liebe Grüsse,
      Daniel

  • Wilfried Breuss

    Hi Daniel!
    Jetzt weiß ich immerhin wie ich weiter vorgehe .. vielen Dank! Viel Erfahrung mit Fotografie habe ich nicht. Da ich öfters in Höhlen unterwegs bin, habe ich mir eine Nikon 1 AW1 zugelegt: klein, wasserdicht, sehr robust und die Bildqualität ist recht akzeptabel. Letzten Sommer konnte ich in Norwegen Moschusochsen fotografieren: die Bilder sind ganz gut geworden, aber wenn ich “hinein zoome”, dann verschwinden halt doch die Details.
    Heuer mache ich mich in Lappland auf die Suche nach Polarfüchsen. Sollte ich sie finden, dann möchte ich diesmal eine bessere Kamera dabei haben.
    Demnächst werde ich im Fachgeschäft die beiden Kameras mal vergleichen. Evtl. darf ich ja ein paar Testbilder und Videosequenzen aufnehmen .. herzlichen Dank nochmal für den Tipp! Wenn’s für dich passt, halte ich dich gerne auf dem Laufenden.
    Schöne Grüße aus Vorarlberg,
    Wilfried

    • Ciao Wilfried,

      Hört sich spannend an! Schau Dir doch auch mal noch die neue Fuji X-T20 an. Der “kleine Bruder” der X-T2 ist sogar noch etwas kleiner & kompakter (was wiederum ein Vorteil oder Nachteil sein kann) und noch etwas günstiger. Und dies bei ebenfalls hervorragender Leistung! Dabei ist die Bildqualität wie im Blogpost beschrieben sogar identisch mit der Fuji X-T2, weil derselbe Sensor verbaut ist. Für mich als Profi wäre die X-T20 auch eine perfekte Backup-Kamera, da ich weiss, dass sie im Notfall eine X-T2 – fast ohne Abstriche machen zu müssen – ersetzen kann.

      Sehr gerne, halt uns auf dem Laufenden über Deine Erfahrungen!

      Liebe Grüsse aus der Schweiz,
      Daniel

  • Hallo Daniel, Ich bin ein Hobby-Fotograf aus Zürich. Wie du auf meinem Instagramprofil (@matsview) möglicherweise erkennen kannst, habe ich bisher meine meisten Fotos mit dem handy geschossen. Jedoch habe ich schon eine gewisse Erfahrung mit Spegelreflexkameras. Nun bin ich ebenfalls durch einen Zürcher Fotograf auf die XT-2 gestossen. Nun wollte ich mir noch deine Meinung anhören. Für Landschaftsaufnahmen ist sie auf jeden Fall geeignet, jedoch möchte ich im Herbst eventuell nach Island gehen um die Nordlichter oder auch Sternenhimmel zu fotografieren. Hast du in diesem Bereich schon Erfahrung mit der XT-2 gemacht? Oder weisst du ob sie dafür auch geeignet ist?

    Es würde mich freuen von dir zu hören.

    Vielen Dank

    Liebe Grüsse

    Mathias

  • Karin Oeschger

    Hallo Daniel

    Ich stehe grad nahe an der Entscheidung die Fujifilm TX2 zu kaufen. Zu oft sind die Fotos von meinen Kidis, vor allem im Dämmerlicht oder abends drinnen mit der Kompaktkamera nicht scharf. Leider ist auch die Canon EOS 60D nicht mehr ws sie mal war seit das Objektiv in der Reparatur war. Also ich mache meist Fotos von meinen Kinder , öfters nicht bei bestem Licht. Mit der XT2 schein ich da gut bedient zu sein. Mir ist aber nicht klar ob ich da einen externen Blitz benötige und welches Objektiv da am besten wäre von wegen Bildstabilisator und so. Bin halt auch absoluter Leihe auf dem Gebiet und kann nur nach dem Internet gehen.
    Kannst du mir da evt. weiter helfen?

    Besten Dank Karin

    • Hallo Karin

      Danke für Deine Frage. Ich versuch sie mal zu beantworten, auch wenn das nicht ganz einfach ist. Die X-T2 ist quasi die Profi-Kamera im Fuji-Sortiment. Die X-T20 ist fast genauso gut. Ich würde sie mir als Berufsfotograf ohne zu zögern als Backup-Kamera kaufen. Allerdings ist die X-T20 noch etwas kleiner als die X-T2 (welche für mich persönlich schon an der Grenze ist). Was ein Vorteil für kleine Hände sein kann, aber auch ein Nachteil für grosse Hände oder wenn Du noch einen grossen Blitz aufstecken willst. Vom Sensor her ist es egal welche Fuji Du kaufst, die X-T2, X-T20 und X-Pro2 haben alle denselben Sensor, mit dem man gut bis ISO 12’800 fotografieren kann. Das reicht zwar indoor bei wenig Licht, aber auch nur bei nicht oder nur wenig bewegten Objekten und mit lichtstarken Objektiven. Bei Kindern, die herumtollen, wäre ein Blitz sicher ratsam und am besten diesen dann indirekt über die Wand/Decke einsetzen und nicht direkt blitzen. Ein Bildstabilisator wird Dir nur etwas nützen, wenn sich das Objekt nicht bewegt. Der Bildstabilisator gleicht nur das Wackeln Deiner Hand aus, nicht aber wenn sich das Objekt bewegt. Als Lichtstärke würde ich dann mindestens 2.8 empfehlen oder sogar 2.0. Grundsätzlich sind die Zooms eher lichtschwächer, Festbrennweiten lichtstärker. Ich weiss nicht, ob du da Präferenzen hast. Ich fotografiere bei wenig Licht z.B. gerne mit dem XF 35mm/2.0 (entspricht 50mm Kleinbild) oder dem XF 18mm/2.0 (27mm Kleinbild).

      Liebe Grüsse
      Daniel

      • Karin Oeschger

        Hallo Daniel

        Super, danke vielmals, das hilft mir schon viel, genau so wie alles andere was man auf deinem Blog lesen kann. Welchen Blitz würdest du denn dann empfehlen? Mit Festbrennweiten habe ich gar keine Erfahrungen. Mit denen kann ich ja dann gar nicht zoomen, oder? Würdest du denn die Objektive von Fuji selber nehmen oder eher andere? Und wenn du dann doch mal nen Zoom brauchst?

        Besten Dank
        Karin

        • Liebe Karin,

          als Berufsfotograf fotografiere ich ganz anders als Du. Ich fotografiere immer manuell, sowohl bei Tageslicht, als auch wenn ich drinnen einen Blitz benutze. Gerade bei Blitzfotografie ist es nicht möglich ein gescheites Bild hinzukriegen, wenn die Kamera auf Automatik eingestellt ist.

          Das Vorgehen bei Blitzfotografie kurz erklärt:
          1. ISO wählen. Je nach Dunkelheit des Raumes ist meist ISO 1600 ein guter Wert. Wenn der Raum sehr dunkel ist, musst Du vielleicht ISO 2500 oder sogar ISO 3200 verwenden. Die ISO bleibt später fix und wird nicht mehr verändert (ausser Du gehst in einen anderen Raum). Die ISO ist immer die erste Entscheidung, die Du fällst.
          2. Blende einstellen. Bei Blitzfotografie ist meine Standard-Blende f/4.0.
          3. Verschlusszeit so einstellen, dass der Raum nicht komplett schwarz wird. Ich möchte, dass der Raum noch etwas “lebt”, also das im Raum vorhandene Licht (available light) nicht ganz verschwindet. Dies beeinflusst man über die Länge der Verschlusszeit. Sie liegt meist im Bereich von 1/60s bis 1/125s. Kann aber auch mal 1/15s oder 1/8s sein, wenn der Raum sehr dunkel ist.

          4. Nun die Blitzleistung manuell so einstellen, dass das Bild richtig belichtet ist. Ich starte mit einem ersten Test bei 1/8 Blitzleistung. Wenn das Bild zu dunkel ist: mehr Leistung am Blitz geben oder Blende auf. Und umgekehrt. Alternativ kannst Du den Blitz auf TTL-Automatik einstellen, aber die Kamera ist immer manuell eingestellt (siehe oben, Punkte 1.-3.) bei Blitzfotografie! Aber wenn Du den Blitz auf TTL stellst, wird die Belichtung der Bilder ständig variieren, so wie das auch der Fall ist, wenn die Kamera auf Automatik eingestellt ist. Deshalben fotografieren Fotografen vorwiegend im manuellen Modus, so dass die Belichtung von Bild zu Bild konstant bleibt.

          Ich verwende einen alten Nikon SB-80DX oder Canon 600EX-RT mit meinen Fuji Kameras. Da ich nur manuell blitze ist es egal, der Blitz muss nicht Fuji oder TTL unterstützen. Hauptsache der Blitz lässt sich schwenken und drehen, weil ich nie direkt blitze. Gute Blitze von Fremdherstellern gibt es von Phottix, Cactus, Godox, Yongnuo.

          Mit Festbrennweiten kann man nicht zoomen, nein. Man geht einfach näher ran oder weiter weg vom Objekt. Oder korrigiert den Bildausschnitt nachträglich am Computer. Denn das Zoom macht nichts anderes, es variiert die Brennweite und damit den Bildausschnitt und nicht die Perspektive! Es kann ein Vorteil sein mit einer Festbrennweite zu fotografieren, denn damit schränkst Du Dich willentlich ein und lernst auf das Wesentliche zu fokussieren: Das Sehen mit den Augen und die Bildgestaltung. Mit einem Zoom kannst Du Dich schnell verheddern und hast am Ende vor lauter Rumzoomen gar nichts Brauchbares im Kasten. Wenn ich selber Zooms benutze, stelle ich die Brennweite oft bewusst auf z.B. 35mm oder 50mm ein und lasse sie dort. Ich fotografiere dann wie mit einer Festbrennweite, das Zoom erspart mir einfach die Objektivwechslerei.

          Ich verwende nur Objektive von Fuji, Fremdobjektive für Fuji haben keinen Vorteil und funktionieren meist nur ohne Autofokus.

          Ich hoffe das hilft Dir weiter.

          Liebe Grüsse
          Daniel

          • Karin Oeschger

            Lieber Daniel

            Wow super, das hilft mir mega, vor allem die Tipps für die manuellen Einstellungen!
            Lieben Dank.

            Ja ich denke wenn ich all deine Tipps anschaue, dann gibts die XT20 im Kit mit dem 18-55mm Objektiv und ein Festbrennweiten-objektiv 35mm mit Lichstärke 1.4 – ist glaub geeigneter als ein 18er, oder? Wobei das 18er am Compi besser zu bearbeiten wäre…. Und als Blitz dann wohl den EF X500. Leider hab ich von deinen vorgeschlagenen fremden Blitzen keinen für die Fujikameras gefunden, aber den Metz 400 hab ich gefunden, den du weiter oben ja auch ansprichst. Jetzt muss ich nur noch raus finden welcher der beider besser ist, der Metz ist ja auf jeden Fall günstiger….

            Ich hoffe, dass ich so deine tollen Tipps richtig umsetze und ne gute Ausrüstung hab.

            Ganz lieben Dank, dass du dir die Zeit genommen hast um jemand Fremden das alles zu erklären. Als Laie ist man echt aufgeschmissen ohne gute und professionelle Beratung und die habe ich in keinem Geschäft so toll bekommen wie in deinem Blogg. Ganz lieben Dank und liebe Grüsse
            Karin

          • Gerne! Ich freue mich, wenn ich Dir helfen konnte. Ja, dann nimm doch gleich den Fujifilm EF-X500, das ist sicher eine gute Wahl und du weisst, dass auch alles kompatibel ist. Mein einziger Kritikpunkt an diesem Gerät ist aus Profi-Sicht, dass im Einsatz als off-camera flash die kabellose Fernauslösung nicht via Funk gelöst ist, sondern optisch und damit also Sichtverbindung benötigt. Das ist für Berufsfotografen heutzutage nicht mehr zumutbar und technologisch ziemlich antiquiert. Aber Dich wird dieses technische Detail kaum betreffen.

            Das Fuji 18mm ist ein Weitwinkel-Objektiv und das Fuji 35mm ist wegen dem Crop-Sensor (APS-C) schon eine sog. Normalbrennweite oder Standardbrennweite, eher für Portraits geeignet (Portraits mit Umfeld, nicht “Passfotos” oder Nahaufnahmen, dafür wär dann eher das 56mm). Ich verwende die beiden Objektive parallel bei Reportagen. Viel mache ich mit dem 18mm und wenn ich dann etwas näher brauche, nehme ich das 35mm. Das ist im Vergleich zum 18mm dann schon eine Art leichtes Tele. Die beiden Brennweiten ergänzen sich gut, ersetzen sich aber nicht.

          • Karin Oeschger

            Das hast du auf jeden Fall!
            Super dann bleibt alles bei Fuji 😊
            Noch ne letzte Frage, du schreibst das 35mm ist eher für Portrait mit Umfeld. Darunter würden Geschenkeauspackende Kinder und Besuch ja gehen, oder da dann doch besser das 18mm?

          • Das XF 18mm entspricht ziemlich genau der (Weitwinkel-) Brennweite Deines iPhones. Diese Brennweite kennst Du wohl sehr gut und kannst somit abschätzen, was damit machbar ist und was nicht. “Geschenke auspacken” ist für mich eher eine Reportage-Situation als ein Portrait. Da wirst Du mit der Normalbrennweite (XF 35mm) tendenziell immer etwas zu nah dran sein. Je nach dem wie gross Euer Haus ist :-)

            Wenn Du Dich zwischen XF 18mm und XF 35mm entscheiden musst, kannst Du auch das neue XF 23mm/2.0 nehmen. Das ist quasi ein Zwischending zwischen den beiden anderen Brennweiten, ein Kompromiss. Nicht zu nah und nicht zu fern. Das XF 23mm entspricht dem klassischen Weitwinkelobjektiv von 35mm Brennweite bei Kleinbildfilm/Vollformatsensor. Es ist optisch vielleicht etwas besser als das 18er, aber dafür auch ein Stück grösser (länger). Eine Allround-Brennweite, mit der man sehr viel machen kann.

            Persönlich habe ich, wenn ich nur mit 1 Brennweite aus dem Haus gehe, entweder das 18er oder das 35er auf der Kamera. Aber was ich fotografiere, muss sich dann halt meinen Möglichkeiten bzw. der Brennweite anpassen. D.h. ich “sehe” dann auch nur die Motive, die “in” meine Brennweite passen.

  • Karin Oeschger

    Hallo Daniel

    Noch eine kleine Nachfrage zu meiner Frage heut Nachmittag. Ich werde wahrscheinlich hauptsächlich mut dem Automodus fotografieren, da ich mit den manuellen Einstellungen keine Erfahrungen habe. Deswegen ist die Nikon D7500 wieder aus der Auswahl gefallen. Denkst du das wäre die richtige Entscheidung? Und wenn ich deine Antworten so lese wäre auch die TX20 oder die xpro2 super…..für Familienfotos bei schwachem Licht und mit viel Bewegung würdest du welche Kamera empfehlen?
    Danke schon im Voraus und danke allgemein für deinen Bericht, damit können auch Laien viel anfangen!

    Liebe Grüsse Karin

  • Thomas Bianca

    Hallo Daniel
    Danke für deinen sehr hilfreichen Bericht über die X-T2.
    Sie wird mich auf längeren Motorradtouren begleiten. Ich habe lange gesucht und auch mal Fehlkäufe gemacht.
    Ich hab die Kombination mit dem 16-55 1:2.8
    (hat allerdings keine ‘Verwackelungsautomatik’,
    Ich hoffe ich bereue das nicht.)
    und dem 35 1:1.4 gewählt und bestellt. (Lieferrfristen)
    Meine Kriterien sind allerlei stille Bilder, Landschaften, Portraits, sich bewegende Personen oder Tiere bis in lichtschwache Verhältnisse.
    Ich benutze kaum oder nie Blitz und kaum Vedeo.
    … und die Verkäuferin beim Foto Ganz war brilliant! 😉

    PS: Gibst du auch Kurse oder coaching für bessere Anfänger?
    Gruss Thomas
    Zürich

    • Lieber Thomas

      Danke für Deinen Kommentar. Es freut mich, dass mein Bericht über die Fuji X-T2 Dir geholfen hat. Das 16-55mm/2.8 ist ein Spitzenobjektiv und auch in meiner Fototasche bei jedem Auftrag dabei, da wirst Du nichts bereuen ;-)

      Absolut! Ich habe eben drei Seminare an der photo18 gegeben und werde oft von Fotografen (Einsteiger bis erfahrene Studiofotografen) für ein persönliches Coaching gebucht. Alles Weitere dazu findest Du auf meiner Website: http://www.danielzihlmann.ch/workshops

      Liebe Grüsse
      Daniel

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